Erntekrone - Seite 2

Verschiedene Bräuche ermöglichten den Erntehelfern, Zuwendungen vom Gutsherren einzufordern. Im Buch "Landleben im 19. Jahrhundert" von Ingeborg Weber-Kellermann heißt es:

... Ähnliches ist zu den Bräuchen bei der Überreichung der Erntekrone festzustellen. Ihr Variantenreichtum war unendlich und zeigt die Bedeutung dieses festlichen Abschlusses einer wichtigen Arbeitsphase für die Erntearbeiter, die den zu erwartenden Lohn als den Höhepunkt des Arbeitsjahres empfanden. ...  

Eigens zu diesem Anlass wurden Reden in Gedichtform vorgetragen, die oftmals teils versteckt oder sogar in drohender Form eine direkte Forderung nach Entlohnung enthielten. In eben genannten Buch findet sich zum Beispiel dieser Spruch:

Unser Begehr ist in diesem Haus,
dass wir gehen können frei ein und aus,
denn wir sind gewesen auf der Jagd,
dass wir dasselbe haben vollbracht. ...

Das Fest und die Bräuche rund um die Ernte hatten für die Landarbeiter einen besonderen Stellenwert. Das Leben gestaltete sich meist in Armut und Unterdrückung. Die Bevölkerung fühlte sich ausgenutzt und zeigte sich oft in schlechter Laune. Die Erntezeit mit ihren Bräuchen vermittelte zwischen Gutsherrn und Landarbeitern, sodass oft ein Gefühl von menschwürdiger Zugehörigkeit entstand.

 

<-- zurück

weiter-->